Ausstellung "Keine Erde in Reserve"

„Die umweltpolitische Debatte wird in Zukunft mehr und mehr durch den Leitbegriff der ökologischen Grenzen bestimmt werden: In einer begrenzten Welt kann es keine unbegrenzte Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen geben. Nachhaltiges Wirtschaften erfordert eine Entkopplung von Wohlfahrt und Ressourcennutzung...“
Sachverständigenrat für Umweltfragen: Verantwortung in einer begrenzten Welt, Umweltgutachten 2012

Vom Abbau von Rohstoffen, deren Verarbeitung, Nutzung von Produkten bis hin zu deren Entsorgung – alle diesen Phasen belasten auf unterschiedliche Weise Menschen, Natur, Umwelt und Klima. Durch den weltweit steigenden Ressourcenverbrauch werden inzwischen Grenzen der Belastbarkeit des Erdsystems überschritten, die für die Gesundheit und Überlebensfähigkeit der menschlichen Zivilisation entscheidend sind. In drei Bereichen wird dabei bereits der Hochrisikobereich erreicht: Beim Klima, bei der Zerstörung von Ökosystemen und dem Verlust von Artenvielfalt sowie bei der Störung der Stickstoff- und Phosphorkreisläufe.

„Die globale Ressourcennutzung hat eine Entwicklung
genommen, die nicht dauerhaft fortgesetzt werden kann, ohne die Perspektiven zukünftiger Generationen auf wirtschaftlichen Wohlstand und sozialen Zusammenhalt zu beeinträchtigen. Schon jetzt übersteigt die Nutzung von natürlichen Ressourcen die Regenerationsfähigkeit der Erde deutlich.“

Deutsches Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess): Programm zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz der natürlichen Ressourcen, 2012


Deutsches Ressourceneffizienzprogramm ProgRess

Der weltweite Rohstoffhunger führt dazu, dass der Bergbau immer weiter in sensible Ökosysteme wie z.B. die tropischen Regenwälder vorstößt. Allein in Brasilien sind für die Aluminiumindustrie im Amazonasgebiet riesige Stauseen für die Stromerzeugung gebaut worden. Derartige Eingriffe gefährden die Biodiversität und wichtige Ökosystemleistungen, welche die Wälder z.B. als Speicher und Senke von Kohlenstoff erbringen. Auch führen diese zu sozialen Problemen bei der indigenen Bevölkerung.  Auf der Suche nach neuen Vorkommen für Seltene Erden gerät auch immer mehr die Arktis ins Blickfeld und dort insbesondere Grönland.

Gebäude, Straßen, Brücken, Leitungssysteme, Fahrzeuge, Computer, selbst alte Mülldeponien – sie alle stellen vom Menschen angelegte Rohstofflager dar, in denen mineralische Ressourcen gebunden sind. Diese nach Ende der Nutzungsdauer möglichst umfassend wiederzuverwerten und Abfälle so weit wie möglich zu vermeiden, ist Ziel der Kreislaufwirtschaft. Allein in Deutschland werden von den durchschnittlich im Jahr anfallenden rund 192 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfällen ca. 90 % im Stoffkreislauf gehalten und einer umweltverträglichen Verwertung zugeführt. „Urban Mining“ leistet damit einen Beitrag, den Zugang zu wichtigen Ressourcen zu sichern und gleichzeitig nicht erneuerbare Rohstoffe zu schonen.

Ohne Sand und Kies kein Beton für Gebäude und Infrastruktur. In jedem Computer, Smartphone
oder Auto stecken Mikrochips. Für diese wird extrem reines Siliziumoxid benötigt, das mit hohem Energieaufwand aus Sand gewonnen wird. Sand ist jedoch nicht gleich Sand. Vom Wind gerundeter Wüstensand eignet sich z.B. schlecht als Baumaterial. Besonders gefragt ist Quarzsand, auch für Fracking. Dabei wird mit Sand und Chemikalien vermischtes Wasser in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um Gas zu fördern. Die Umweltrisiken sind jedoch hoch. Auch der Abbau von Sand und Kies verursacht Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz.

Kupfer besitzt eine hervorragende Leitfähigkeit für Elektrizität und Wärme. Im Sanitärbereich ist seine biostatische Wirkung von Vorteil, die der Bakterienbildung in Wasserleitungen vorbeugt. Kupfer ist daher weltweit stark nachgefragt - Tendenz  steigend.  Allerdings enthält das Gestein in den Kupferminen immer weniger Erz. Betrug der Erzanteil zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch 4 %, so liegt er inzwischen nur noch zwischen 0,2 und 0,5 %. Dies bedeutet, dass bei einer Tonne Kupfer fast 100 Tonnen Abraum entstehen. Auch wird immer mehr Wasser und Energie benötigt, um Kupfererz aus dem Gestein zu lösen. Die Kupferproduktion aus Altmetall erfordert weniger als ein Drittel der Energie, die bei der Erzgewinnung eingesetzt werden muss.

Ein Auto enthält rund 50 Kilogramm Kupfer, überwiegend in Form von Elektrokabeln. Würde hierfür Kupfererz genutzt, so müsste bei einem durchschnittlichen Erzgehalt von 0,5 % eine Tonne Gestein verarbeitet werden. Alleine die in hunderttausenden Schubladen liegenden Netzteile von Notebooks und Handy-Ladegeräten bilden daher eine urbane Mine der besonderen Art.

Ein Auto bestand im Jahr 2000 durchschnittlich aus 55 % Stahl, 15 % Kunststoff, 14 % Elastoplaste, 10 % Aluminium und zu 6 % aus anderen nicht rostenden Metallen. Katalysatoren enthalten seltene Platinmetalle wie Ruthenium, Rhodium, Palladium, Osmium, die weltweit nur in wenigen Ländern gewonnen werden. Bei einer Recyclingrate von etwa 44 % ist Stahlschrott inzwischen in Deutschland der wichtigste Rohstoff in der Stahlherstellung geworden: Für eine Tonne Stahl können bis zu etwa 560 Kilogramm Schrott eingesetzt werden. Jede Tonne Stahlschrott ersetzt 1,5 Tonnen Erz, spart  0,5 Tonnen Brennstoffe wie Kohle, Koks und Schweröl und damit 60 bis 74 % der Energie, die bei der Stahlerzeugung aus Roherz benötigt wird.

Ausgangsmaterial für Aluminium ist Bauxit, das zu 80 % im Tagebau gewonnen wird. Um Aluminiumoxid zu erhalten, wird Bauxit mit Natronlauge vermischt und unter hohem Druck bei Temperaturen zwischen 100 und 320 °C gerührt. Pro Tonne Aluminiumoxid fällt die doppelte bis vierfache Menge an ätzendem und giftigem Rotschlamm an, der meist in offene Absetzbecken geleitet wird und deponiert werden muss. Das Aluminiumoxid wird dann über einen elektrolytischen Schmelzprozess in flüssiges Aluminium und Sauerstoff zerlegt. Um aus zwei Tonnen Aluminiumoxid eine Tonne reines Aluminium zu gewinnen, wird etwa die Strommenge benötigt, die vier Durchschnittshaushalte in Deutschland im Jahr verbrauchen - beim Recycling von Aluminium kann bis zu 95 % der Energie eingespart werden. Mit über 40 % ist der Verkehrssektor mit der Automobilindustrie der wichtigste Abnehmer in Deutschland.

Drittwichtigster Abnehmer für Aluminium ist in Deutschland die Verpackungsindustrie: Jährlich werden mehr als eine Milliarde Getränkedosen verkauft, die über das Pfandsystem eine hohe Rücklaufquote erzielen. Auch Getränkepackungen enthalten Aluminium, als dünne Folie im Verbund mit Karton und Kunststoff. Sie sind über die Gelbe Tonne einer stofflichen Verwertung zuzuführen. Global gesehen, werden jedoch große Mengen an Aluminium über den Hausmüll entsorgt und gehen damit der Wiederverwertung verloren. Dies gilt auch z.B. für die Ummantelung von Teelichtern und die rapide ansteigende Zahl der Einweg-Kaffeekapseln. 2016 wurden allein in Deutschland 3,1 Milliarden Kaffee-Kapseln verbraucht. Hierfür wurden ca. 31.000 Tonnen Neu-Aluminium benötigt, bei dessen Herstellung 25.000 Tonnen CO2 frei wurden.

Mobiltelefone bestehen zu etwa 60 % aus Plastik und 15 % Keramik. Etwa ein Viertel des Gewichts ohne Batterie machen unterschiedliche Metalle aus wie Kupfer, Eisen, Nickel, Silber, Zink sowie geringe Anteile von Gold, Blei, Mangan, Palladium, Platin und Zinn. In Deutschland werden Mobiltelefone durchschnittlich etwa eineinhalb Jahre genutzt, weniger als ein Drittel wird davon recycelt. In Deutschland wurde für 2025 die Zahl der „Schubladenhandys“ auf ca. 195 Millionen geschätzt.  Ein Mobiltelefon besteht zu rund 25 % aus Metallen, davon ca. 250 mg Silber, 24 mg Gold, 9 mg Palladium, 9 g Kupfer und 4 g Kobalt.
Umweltbundesamt:  Smartphones und Tablets nachhaltig nutzen.

Altbatterien können giftige Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium und Blei enthalten. Um Mensch und Umwelt zu schützen und Wertstoffe in hohem Maße wiederzugewinnen, müssen sie getrennt vom unsortierten Siedlungsabfall gesammelt und recycelt werden. Von den jährlich über 60.000 Tonnen in Verkehr gebrachter Gerätebatterien wurden 2024 nur 53,8 % korrekt entsorgt. Zu viele Batterien werden noch immer in den Hausmüll geworfen oder verbleiben im Bestand. Mehr Informationen zum Thema:  Umweltbundesamt: Batterien und Akkus richtig nutzen und entsorgen

E-Zigaretten und Einweg-E-Vapes sind weit verbreitet. Ihre Elektronikbauteile und Akkus enthalten wichtige Metalle, seltene Erden und Rohstoffe wie Lithium und Kobalt sowie Schadstoffe wie Blei, Cadmium und Quecksilber. Mit dem Hausmüll oder gelben Sack entsorgt, können sie zu Bränden in Müllfahrzeugen, Wertstoffhöfen und Sortieranlagen führen. Sie müssen daher als Elektroschrott separat entsorgt und recycelt werden. Um knappe Ressourcen zu schonen, sollten statt Einweg-E-Zigaretten aufladbare Modelle möglichst lange verwendet werden. 

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Elektronische Bauteile werden inzwischen in immer mehr Spielzeug, Kleidung und Möbeln eingesetzt. Diese enthalten vielfach für die Umwelt gefährliche Stoffe wie Schwermetalle und müssen daher als Elektroschrott behandelt werden. Bei der Entsorgung gehen wichtige Rohstoffe verloren, weil die verwendeten Mengen für ein wirkungsvolles Recycling schwer zugänglich oder zu
gering sind. In Zeiten knapper und teurer werdender Rohstoffe ist es sinnvoll, diese für wichtige Zukunftstechnologien einzusetzen und ein hochwertiges Recycling sicherzustellen.

In 10 Jahren haben Textil- und Bekleidungsabfälle in Deutschland um 70 % auf 15 kg pro Person und Jahr zugenommen. Mode von niedriger Qualität wird immer schneller auf den Markt geworfen und meist in Asien unter schlechten Arbeitsbedingungen produziert. Billigpreise berücksichtigen nicht die Kosten für übermäßigen Ressourcenverbrauch, Wasserverschwendung, Umweltbelastungen durch giftige Chemikalien und hohe Treibhausgasemissionen. Beim Export unsortierter Altkleider nach Afrika werden unbrauchbare Teile vielfach in die Umwelt entsorgt oder unter offenem Himmel verbrannt. Weniger neue Kleidung von besserer Qualität kann länger getragen, wiederverwendet und am Ende auch leichter recycelt werden.

Weltweit stieg allein die Produktion von CDs von 20 Millionen Stück 1983 bis auf 11 Milliarden im Jahr 2000. Eine CD besteht überwiegend aus dem Kunststoff Polycarbonat und ist einseitig mit einer Metallschicht bedampft, die meist aus Aluminium besteht und mit einer Lackschutzschicht versehen ist. Bisher wird nur etwa 1 % der CD-Jahresproduktion recycelt. Für die Herstellung einer CD werden etwa 30 Gramm Erdöl benötigt. Recyceltes Polycarbonat wird z.B. für Produkte der Medizintechnik, Automobil- und Haushaltswarenindustrie eingesetzt.

Prozessoren sind das Herz jedes Computers. Sie enthalten den konzentriertesten Gehalt an Edelmetallen, zum Beispiel in den vergoldeten Kontakten. Außer Gold lassen sich aus Prozessoren Silber, Palladium und Kupfer in geringen Konzentrationen recyceln. Mit der Entwicklung der Computer- und Fertigungstechnik konnten die Schichtdicken bei Elektronikkontakten und Platinen reduziert werden, sodass die Recyclingwerte zwischen den verschiedenen Gerätegenerationen stark variieren. Je kleiner und komplexer die Bauteile werden, umso schwieriger ist es, die darin enthaltenen Wertmetalle zurückzugewinnen.

Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren enthalten neben Leuchtstoffpulver auch geringe Mengen an Quecksilber und Seltene Erden wie Lanthan, Europium, Terbium und Yttrium. Die ausgedienten Leuchtmittel werden in Deutschland seit dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz von 2005 über gewerbliche Sammelstellen und Entsorger kostenlos einer ordnungsgemäßen Verwertung zugeführt. Dabei werden Leuchtstofflampen entgast, zerkleinert, gewaschen und für eine stoffliche Wiederverwertung getrennt. Das Natron-Kalk-Glas dient der Herstellung neuer Lampen. Leuchtdioden (LED) haben neben dem geringeren Energieverbrauch den Vorteil, dass sie kein Quecksilber enthalten.

Die technologische Entwicklung hat sich beschleunigt. Neue Produkte sind aber nicht haltbarer geworden oder so konzipiert, dass sie leicht repariert werden können. Es drängt sich im Gegenteil der Eindruck auf, dass geplanter Verschleiß mit im Spiel ist, der zum Neukauf zwingen soll. Ressourceneffizienz erfordert, dass Bauteile einzeln austauschbar sind und am Ende ihrer Nutzungsdauer leicht aufbereitet werden können. Sinnvoll sind für Innovationen offene Langzeitprodukte, deren materialintensive Teile möglichst lange halten, da sie kaum Neuerungen unterliegen. Andere Bauteile können dann leicht an den technischen Fortschritt angepasst werden.

Recht auf Reparatur: Warum sind EU-Rechtsvorschriften wichtig? Europäisches Parlament

Aufgebrauchte, nicht erneuerbare Ressourcen stehen künftigen Generationen nicht mehr zur Verfügung. Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung von 2008 bekennt sich daher zum Prinzip, dass jeder Mensch das gleiche Recht hat, Ressourcen in Anspruch zu nehmen, solange sie nicht übernutzt werden. Würde die gesamte Weltbevölkerung den Ressourcenverbrauch von Industrieländern haben, so würden heute bereits eineinhalb Erden benötigt. Im Sinne einer globalen Verteilungsgerechtigkeit kommt der Sachverständigenrat für Umweltfragen zu dem Schluss, dass Industrieländer die Nutzung ökologischer Ressourcen langfristig auf ein Maß reduzieren müssen, das global verallgemeinerbar ist.

Sachverständigenrat für Umweltfragen: Verantwortung in einer begrenzten Welt, Umweltgutachten 2012