Ghana - Schrottplatz Old Fadama

Die Küstenstadt Accra ist mit rund 2 Mio. Einwohnern Ghanas größte Metropole und zugleich Hauptstadt und Regierungssitz des Landes. Im Westen der Stadt breitet sich an der Korle-Lagune die große informelle Siedlung Old Fadama aus. Daneben liegt die mit Umweltgiften stark belastete Fläche des ehemaligen Schrottplatzes Old Fadama sowie eines angrenzenden Areals, auf dem Hausmüll abgelagert wurde. International wurde der Schrottplatz unter dem Namen „Agbogbloshie“ bekannt und zum Inbegriff für die unsachgemäße Verwertung von Elektroschrott.
Die Ursprünge des Schrottplatzes
sowie der benachbarten
Slumsiedlung
Old Fadama gehen zurück
auf die frühen 1990er Jahre. Damals eskalierten ethnische Konflikte
im Norden Ghanas und lösten eine
Binnenmigration aus.
Hauptziel war
Accra. Als provisorische Bleibe
bot der damalige Bürgermeister
von Accra den Geflüchteten
das bis
dahin ungenutzte und zum Teil
sumpfige Gelände nördlich der
Korle-Lagune im Westen der Stadt
an. Aus der provisorischen
Lösung entwickelte sich
eine Slumsiedlung, in der heute
ca. 150 000 Menschen
zum Großteil in extremer Armut
leben.
In der Realität war der Schrottplatz Old Fadama jedoch viel mehr: Ein komplexes Netzwerk von Aktivitäten, das Menschen auf unterschiedlichste Weise einen Lebensunterhalt verschaffte: Während einige von ihnen mit Schubkarren durch die Stadt zogen, um Altmetall und defekte Geräte zu sammeln, schlachteten andere diese und auch angelieferte Altfahrzeuge aus. Andere wiederum lebten von der Reparatur und dem Verkauf gebrauchter Geräte und Ersatzteile und verlängerten so deren Nutzungsdauer. Selbst Läden für den alltäglichen Bedarf und Garküchen waren dort anzutreffen. 2021 erfolgte unter massivem Polizei- und Militäreinsatz dessen Zwangsräumung (Video ChannelONE TV).
Die Räumung des Schrottplatzes fand in der Öffentlichkeit ein geteiltes Echo. Kritisiert wurde, dass die Maßnahme ohne jegliche Vorankündigung und gemeinsame Entwicklung von alternativen Lösungen erfolgte. Die auf dem Schrottplatz tätigen Menschen verloren so ihr gesamtes Hab und Gut. Betroffen waren auch langjährige Ansätze der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Diese zielten darauf ab, die ghanaische Seite dabei zu unterstützen, vor Ort die Arbeitsbedingungen zu verbessern, Umweltbelastungen zu mindern und gleichzeitig den materiellen Ertrag eines nachhaltigen Managements der Verwertung von Elektro- und Elektronikaltgeräten zu steigern.
Wie zu befürchten war, verlagerte sich nach der Räumung die Schrottverwertung auf diverse andere Teile der Stadt und erschwerte damit die begonnene Regulierung.